Die Bibel des Yoga – das Sutra von Patanjali

Wie ich Yoga in meinen Alltag integriere und wieso eine tausend Jahre alte Schrift mir dafür heute als Leitfaden dient.

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Mein kleiner – aber feiner – Altar

Das Yogasutra von Patanjali ist eines der grundlegenden Werke des Yoga und geht auf das Jahr 1000 nach Christus zurück. Den ursprünglichen Autor Patanjali umgeben viele Mysterien, zum Beispiel um den Zeitraum in dem er gelebt hat und um seine Person an sich. Er wird auch als „Vater des Yoga“ bezeichnet, weswegen ich besonders gespannt war, sein Werk, von Sriram kommentiert, zu lesen und zu verstehen. Die Figur Patanjali finde ich zudem sehr interessiert, da nicht viel über ihn bekannt ist, er aber heute einen großen Einfluss auf viele Menschen hat und in den letzten Jahrhunderten hatte.

Die Worte Patanjalis gehen auf Erzählungen zurück, die Überlieferungen zufolge seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus in Indien von Yogi-Meister zu Schüler weitergegeben wurden. Erst später wurden die Weisheiten in Schriftform festgehalten und Jahrhunderte später für europäische Leser übersetzt. Ich verstehe das Yogasutra daher als eine Art Bibel des Yoga, da es in der Entstehung und den Absichten viele Parallelen gibt.

Das Yogasutra, was wörtlich übersetzt „Leitfaden“ bedeutet, kann auch als solcher verstanden werden. Die Verse sollen einem Yogi auf dem Weg zur Erleuchtung helfen. Besonders der achtgliedrige Weg des Yoga, der im zweiten und dritten Kapitel beschrieben wird, hat auch meinen bisherigen Yogaweg begleitet. Im Folgenden möchte ich beschreiben, wie ich versuche, den achtgliedrigen Weg des Yoga in meinen Alltag und mein westliches Leben einzubauen. Viele der Sutren sind sehr abstrakt, können aber auf unsere Welt angewandt werden.

Die acht Glieder

Im Sutra 2.29 werden die acht Glieder, auch Asthanga Marga genannt, aufgezählt. Sriram übersetzt wie folgt: „Die acht Glieder sind: die Disziplin im zwischenmenschlichen Verhalten, die Regeln des Alltagsverhaltens, Körperhaltung, Regulierung des Atems, Sinnesanbindung ans Innere, die anhaltende Ausrichtung der Gedanken, das stille Reflektieren und die vollkommene Erkenntnis.“ Die vollkommene Erkenntnis, samadhi, wird hierbei als Ziel verstanden, was durch die sieben vorherigen Schritte erreicht werden kann.

Ab dem Sutra 2.30 werden die einzelnen Glieder genauer beschrieben, angefangen mit yama, der Disziplin im zwischenmenschlichen Verhalten. Patanjali schreibt, diese zeige sich unter anderem durch ahimsa, Gewaltlosigkeit, was ich als gewaltfreien Umgang mit mir selbst, anderen Menschen und Lebewesen verstehe. Daher achte ich in meinem Alltag darauf, dass durch meine Handlungen kein Lebewesen direkt oder indirekt Gewalt erfahren muss. Dazu gehört für mich eine vegetarische Ernährung, der bewusste Konsum von tierischen Produkten, umweltbewusstes Verhalten und ein achtsamer Umgang mit Ressourcen.

Schwierigkeiten bereitet mir jedoch der Aspekt der materiellen Anspruchslosigkeit, denn ich habe Freude an schönen Dingen, sei es für meine Wohnung, meine Yogapraxis oder an Besitztümern, die meinen Alltag erleichtern wie elektronische Geräte. Dennoch versuche ich yama auch hier zu finden und erinnere mich immer wieder daran, dass ich bereits einen großen materiellen Besitz habe, der alle meine Bedürfnisse erfüllt. So kann ich Stück für Stück an mir arbeiten. Ich glaube zudem daran, dass sich diese Achtsamkeit auch auf andere Menschen überträgt, was Sriram in Sutra 2.36 als „Insel der Friedfertigkeit“ bezeichnet.

Das zweite Glied, niyama, beschreibt die Regeln des Alltagsverhaltens, auch dieses Sutra lässt sich in die heutige Welt übertragen. Nehmen wir zum Beispiel santosa, die Fähigkeit, sich zu freuen. Es gibt viele Weisheiten die raten, jeden Moment voll auszukosten und zu genießen, die Umsetzung muss jedoch jeder für sich finden. Ich habe mir einmal vorgenommen, mich so sehr über die Begegnung mit einem lieben Menschen zu freuen, wie es mein Hund gemacht hat. Jedes Mal kam er fröhlich zur Tür, selbst wenn ich nur wenige Minuten das Haus verlassen hatte. Diese Freude verbreitet für das gesamte Treffen eine positive Stimmung auf mich und mein Gegenüber. Das ist mein Weg, mehr niyama in mein Leben zu bringen.

Asana, der dritte Schritt auf dem Weg zu samadhi war für mich der Zugang zu Yoga und spielt nach wie vor die größte Rolle. Patanjali setzt den Fokus auf eine Körperhaltung, die gleichzeitig stabil, sthira, und leicht, sukha, ist. Diesen Aspekt, der auch in den Yogastunden von den Lehrern immer wieder betont wird, versuche ich in meiner eigenen Praxis und in geführten Stunden zu berücksichtigen. Dazu gehört mich nicht in asanas hereinzuziehen und zu jeder Zeit noch Raum für meinen Atem zu haben.

Der Atem steht beim nächsten Glied im Fokus, dem pranayama. Pranayama ist für mich aus dem Yoga nicht wegzudenken und ebenso wichtig wie asana, jedoch anfänglich schwerer zugänglich. Das bewusste Atmen erfordert große Konzentration, was ich als größte Bereicherung des pranayama verstehe. Über einfachere pranayamas wie die Wechselatmung nadishodana habe ich gelernt, einen Zugang zu dem Atemübungen zu finden. Heute wende ich die Konzepte auch im Alltag, zum Beispiel vor einer Prüfungssituation an, um meinen Köper und Geist zu beruhigen.

Der fünfte Schritt des Ashtanga Marga ist pratyahara, was als Orientierung der Sinne nach innen übersetzt wird. Für mich bedeutet es vor allem, die fünf Sinne zurückzunehmen, um die Aufmerksamkeit auf den Geist zu bringen. Diese Kontrolle der Sinne, die immer aktiv sind ist keine leichte Übung. Dennoch ist es vor allem in der Meditation möglich, Geräusche, Gerüche und Sinneseindrücke auszublenden. Ich versuche diese Technik zu benutzen, um mich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren – mit größerer Aufmerksamkeit kann ich mich besser konzentrieren. Lese ich zum Beispiel ein Buch in der Bahn, versuche ich nicht auf die Gespräche anderer zu hören und mich nur auf den Inhalt des Buches zu konzentrieren. Das ist für mich pratyahara.

Die nächsten Stufen

Die letzten drei Schritte des achtgliedrigen Pfades sind von Patanjali dem dritten Kapitel zugeordnet und bedürfen einer anderen Art des Bewusstseins als die ersten fünf. Dharana, die anhaltende Ausrichtung, also die tiefe Konzentration auf ein Thema ist für mich genauso ein Ziel, auf das ich hinarbeite, wie dhayanam, das stille Reflektieren, was ich als vollkommenes Versinken in einer Mediation verstehe. Samadhi, die vollkommene Erkenntnis folgt als achtes Glied und ist nur wenigen Menschen vorbehalten. Da das Yogasutra den Ashtanga Marga als ein aufbauendes Konzept beschreibt, versuche ich mich in den ersten fünf Gliedern zu üben und zu verbessern und vielleicht eine der letzten drei Übungen, zum Beispiel die dhayanam, in einiger Zeit für mich zu gewinnen.

Mich fasziniert, wie aktuell das Yogasutra und die Empfehlungen Patanjalis noch heute sind und wie es trotz anderer Umstände möglich ist, sie in meinen Alltag einzubauen.

Auf dem Weg zur Yogalehrerin

Meine Lieben,

ihr habt schon einige Zeit nichts von mir gehört – ich sage euch, so eine Yoga-Ausbildung neben Studium und dem ganz normalen Trott des Alltags braucht viel Aufmerksamkeit.

Jetzt ist es schon über eine Woche her, dass wir von der 8-tägigen Intensivwoche der Ausbildung wieder da sind und ich habe mir bewusst etwas Zeit gelassen, meine Eindrücke zu verarbeiten, bevor ich sie mit euch teile. Es ist Teil der Ausbildung eine sogenannte Intensivwoche im Sauerland zu verbringen. Dort wird jeder Tag von früh morgens bis abends mit einer Mischung aus eigenem Üben, Theorie und dem ersten Unterrichten ausgefüllt und ein wichtiger Teil der Ausbildung absolviert. Meine 16 Mitstreiterinnen und ich haben uns also Anfang Oktober eine Woche im Sauerland ohne Kontakt nach außen (Handys waren tabu und hatten sowieso keinen Empfang) verschanzt und eine wunderbare, intensive Woche miteinander verbracht – mit rauchenden Köpfen, schweißtreibendem Yoga und der ein oder anderen vergossenen Träne.

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Ein verrückter, liebenswerter Haufen <3

Kaum eine von uns 17 (eine Mittstreiterin ist Mutter geworden und pausiert) hat in dieser Woche nicht ein paar Tränen vergossen. Ob aus Erschöpfung, Freude oder aufgestauten Emotionen – es wurden viele alte Blockaden gelöst. So sehe ich jetzt mit einigem Abstand den Wert der Intensivwoche vor allem in der persönlichen Weiterentwicklung von uns angehenden Yogalehrerinnen.

Für mich persönlich haben sich durch eine Erkältung gleich zu Beginn der Woche schon die ersten Herausforderungen ergeben. Jeden Tag haben wir um sechs Uhr mit einem Silent Walk gestartet und sind eine halbe Stunde schweigend durch die Sauerländer Berge gestapft, danach hat jede von uns 30 Minuten auf ihrer Matte für sich eine eigene Praxis gemacht, gefolgt von einer gemeinsamen Meditation. Eine wunderschöne Morgenroutine, die mich jedoch mit dickem Kopf einige Überwindung gekostet hat. Dennoch habe ich mich jeden Morgen nach dem gemeinsamen Frühstück (auch das haben wir schweigend eingenommen) besser gefühlt und konnte positiv in den Tag starten. Weil mir diese Routine so gut getan hat, habe ich sie seither in meinen Alltag integriert und versucht mir (fast) jeden Morgen Zeit auf der Matte zu gönnen. Ein aufweckende Praxis, ein Pranayama und Meditation – der Tag kann nicht schöner starten.

Viel Input mit großer Wirkung

Mit etwas Abstand kann ich aber auch sagen, dass ich unheimlich viel gelernt habe und ich mich in meiner Wahl Yogalehrerin zu werden, erneut bestärkt gefühlt habe. Geschichten der indischen Götter, zum Beispiel wie Ganesha zu seinem Elefantenkopf kam, aber auch die tiefe Philosophie des Yoga werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Unten habe ich ein paar Buchempfehlungen für euch, wo ihr die wirklich amüsanten Geschichten der Götter und die Grundlagen der Yogaphilosphie nachlesen könnt.

Bereits in etwa einer Woche geht es weiter mit einem Wochenende, bei dem wir uns nochmal intensiv mit den asanas, ihrer Ausrichtung und der Unterstützung der Schüler beschäftigen. Bis dahin ist der nächste Buchreport fällig, also heißt es für mich jetzt noch fleißig weiter zu schreiben.

Bis dahin wünsche ich euch einen schönen Herbst, eine superschöne Zeit um Yoga zu üben wie ich finde. Vielleicht kannst du dir ja auch wie ich nach der Intensivwoche etwas aus dem Yoga in deinen Alltag mitnehmen, vielleicht dir morgens Zeit für eine Meditation zu nehmen – 10 Minuten wirken da schon wunder.

Also – KEEP OM LEARNING!

Eure Laura

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Auszeit in den Bergen

Ein paar Buchempfehlungen:

Buchreport: Yoga – Tradition und Erfahrung

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Im Rahmen der Ausbildung müssen wir drei Buchreporte schreiben. Den ersten zum Buch „Yoga – Tradition und Erfahrung“ von T.K.V. Desikachar möchte ich mit euch teilen. Ich freue mich auch über Kommentare, wie euch das Buch gefallen hat und was ihr mitgenommen habt.

Ich habe mich bisher, vor Beginn meiner Yoga-Ausbildung, auf eine vorwiegend körperliche und meditative Weise mit dem Yoga beschäftigt, es jedoch nicht als Wissenschaft studiert. Da das Werk T.K.V. Desikachars auf den Yoga Sutren beruht, die den ersten klassischen Text des großen indischen Weisen Patañjli bilden, eignet es sich sehr gut, um Yoga erstmals mit Hilfe von Literatur zu studieren.

Sowohl die Art und Weise in der Autor T.K.V. Desikachar und die Übersetzer Martin Soder und Imogen Dalmann sich ausdrücken, macht es leicht, der teilweise schwer greifbaren Thematik zu folgen. Das Buch holt den Leser dort ab, wo er grade ist und eignet sich meiner Meinung nach für Yoga-Interessierte aller Art.

Da ich mich bereits in meiner täglichen Praxis mit den Körperübungen, den âsanas und der Atmung, dem prânâyâma, beschäftige, möchte ich mich in diesem Buchreport auf den Geist und seine Rolle im Yoga konzentrieren. Denn erst wenn Körper, Atem und Geist in Einklang sind, kann ist Selbsterforschung möglich und der Prozess von svâdhyâya kann beginnen. Es lässt sich sogar noch einen Schritt weiter denken: Erst wenn wir Körper, Atem und Geist zusammenbringen, können wir wirklich Yoga üben.

Die erste Voraussetzung für dieses Zusammenführen ist, avidyâ zu reduzieren. Âvidya ist ein Schleier, der auf uns liegt und unseren Blick nach Außen und Innen trübt und sich aus Erfahrungen und Automatismen gebildet hat. Das von Desikachar dargestellte Bild eines Baumes, der die Ausprägungen von avidyâ zeigt, hat mir geholfen, die einzelnen Aspekte zu verstehen. Denn es ist nicht möglich avidyâ, das auch als „Wissen, das kein richtiges Wissen ist“ bezeichnet wird, wahrzunehmen, sondern nur seine Ausprägungen. Der Schleier zeigt sich in asmîta, was Geltungsbedürfnis beschreibt, in râga, dem Bedürfnis an etwas Bekanntem festzuhalten, in dvesha, der Ablehnung in jeglicher Form, und abhinivesha, der Wurzel der Angst. Auch in habe avidyâ in seinen verschiedenen Ausprägungen schon erlebt. Sei es in Egoismus, Neid oder Zukunftsangst – im Alltag erwische ich mich immer wieder mit solchen Gefühlen. Wie auch Desikachar schreibt, merke ich wie dieser negative Schleier meinen Blick trübt und Entscheidungen beeinflusst – Ich kann nicht klar sehen. Dieser Zustand des Eingeschränktseins wird als duhkha bezeichnet.

Durch Yoga in seiner Gesamtheit, mit âsana, prânâyâma und svâdhyâya kann der Schleier gelichtet werden und ich kann klarer sehen. Die Praxis und die Qualität des Geistes sind direkt miteinander verknüpft. So kann eine Yogapraxis, in der ich mich in einer Vorbeuge mehr hingeben kann, mir auch helfen die Angst in Form von abhinivesha gehen zu lassen.

Ich kann Entscheidungen mit einem Gefühl von Ruhe treffen und weiß dann was für mich das Richtige ist. Purusha wird diese Kraft in uns, die die unverschleierte Wahrheit kennt, genannt. Sie ist unveränderbar und in jedem vorhanden. Ich stelle sie mir wie ein harter, vollkommener Pfirsichkern in der Mitte einer weichen Frucht vor.

So steht wie beim Yoga generell auch hier die ganzheitliche Betrachtung im Vordergrund: die Verringerung von avidyâ hilft uns durch svâdhyâya den wahren Kern purusha zu finden. So sind die Elemente die auf den Geist wirken genauso miteinander verbunden, wie die einzelnen Aspekte der Yoga-Praxis.

Prânâyâma kann durch die Kraft des Atems helfen purusha zu finden, denn Atem und Geist sind eng miteinander verknüpft. Der Atem ist unser bester Lehrer, denn er spiegelt den Geist wieder. Üben wir prânâyâma, sorgen wir dafür dass mehr prâna, was ich als „Energie“ übersetze, in uns ist. Mit dieser Energie wiederum können wir avidyâ reduzieren und den Geist für purusha schärfen.Üben wir ein âsana in Verbindung mit unserem Atem, folgt auch unser Geist und die Zusammenführung dient als weiteres Werkzeug auf der Suche nach purusha. Âsana besteht immer aus zwei Qualitäten: sukha, die Leichtigkeit, mit der wir eine Position halten und sthira, die Festigkeit und Aufmerksamkeit, die wir der Position widmen. Nur wenn wir beide Qualitäten eines âsanas gleichermaßen herausarbeiten, ist unser Geist mit Körper und Atem und kann nicht entweichen. Das wiederum ist hilfreich, um nach Innen zu spüren.

Zusammen mit unserem Atem als Lehrer können wir also unsere âsanas nach diesem Konzept überprüfen und feststellen, welche Variation oder Tiefe einer Übung für uns die richtige ist. Fließt der Atem nicht mehr ruhig oder können wir eine Übung nicht mit sukha ausführen, müssen wir uns einen Schritt zurücknehmen.

Ich persönlich möchte meinen Yoga-Weg dem Ziel widmen, purusha zu finden und lernen, es zu verstehen. Denn purusha, der „sehende“ Kern, ist in jedem von uns, doch er kann ausschließlich mit Hilfe des Geistes sehen. Es gilt also den veränderbaren Geist so zu trainieren, dass purusha wirken kann.

Auch wenn ich mich noch keine wissenschaftlichen Vorkenntnisse über Yoga hatte, habe ich mich in vielen Beschreibungen Desikachars Werks wiedergefunden und sie während oder nach meiner Yoga-Praxis wie von ihm beschrieben wahrgenommen. Das Wissen, das diese körperlichen und geistigen Empfindungen ihren Ursprung in den Lehren des Patañjali haben und auf das im Yoga geübte Zusammenspiel von Körper, Geist und Atem zurückzuführen ist, gibt ihnen noch größere Bedeutung.

In meiner zukünftigen Rolle als Yogalehrende hoffe ich, meine Schüler auch zu solchen Erfahrungen zu bringen und sie auf ihrem ganz eigenen Yoga-Weg zu begleiten. Denn wie Desikachar zu Beginn seines Buches deutlich macht, ist Yoga keine mathematische Formel, die sich auf Jeden anwenden lässt, sondern ein individueller Weg, um bestimmte Dinge, wie die Verbindung von Körper, Atem und Geist, zu erreichen.

 

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Was ist Yoga?

Was ist Yoga? Mit dieser Frage hat das erste Ausbildungswochenende begonnen – gar nicht mal so einfach. Yoga ist nicht nur Bewegung, sondern kann zur Lebensphilosophie werden. Zu dieser Definition sind wir Yogi-Schüler auch an diesem ersten Ausbildungswochenende gekommen: Yoga ist das, was über das „überleben“ hinaus geht und das Leben mit Farbe und Gestalt füllt.

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Dazu gehört für mich der Entspannungsmoment im Savasana nach einer anstrengenden Yoga-Stunde. Und ja, anstrengend darf sie gerne sein, denn zu EntSPANNUNG gehört eben auch die Spannung, das Arbeiten der Muskeln, das Schwitzen und Atmen – das ist Yoga. So hat auch die Yoga-Ausbildung mit einer intensiven, schweißtreibenden Yogastunde am Freitagabend begonnen. Natascha und Monique, zwei der Ausbildungsleiterinnen haben die Stunde geleitet, natürlich habe ich versucht auf jede Kleinigkeit zu achten – man möchte ja gleich einen guten Eindruck machen. Nach gemeinsamem Schwitzen hatten wir Schülerinnen, mit mir sind es in diesem Jahr 18, noch die Gelegenheit uns und die vier Lehrerinnen kennenzulernen. Für lange Gespräche  wird es in den nächsten acht Monaten noch ausreichend Zeit geben, denn am Samstag morgen hieß es um 8 Uhr morgens wieder „Ab auf die Matte!“

Besonderes Highlight  für mich war bereits am Freitag das Mantra, das uns über die gesamte Ausbildung begleiten wird:
Shiva Shiva Shambho
Shiva Shiva Shambho
Mahādeva Shambho
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Ein wunderschöner Klang, wenn 20 Yogis in einem Raum dieses Mantra singen – das geht direkt ins Herz. Shiva, der hinduistische Gott der Zerstörung, soll uns den Weg frei machen und Hindernisse zerstören.

Nach diesem schönen Tagesabschluss konnte ich am Freitagabend Kraft für die nächsten beiden Ausbildungstage sammeln. Diese Kraft habe ich auch wirklich gebraucht, denn nach einer Morgenmeditation hat die Physiotherapeutin Andrea uns die Atemorgane des menschlichen Körpers erklärt. Vor allem beim Pranayama, einem wichtigen Bestandteil des Yoga, ist es wichtig, genau zu verstehen,  was sich im Körper abspielt. Bereits hier sind wir auf Krankheiten und mögliche Einschränkungen eingegangen – meine Güte gibt es da viel zu beachten!
Mit einer Unterbrechung für eine intensive Yogastunde ging es am Nachmittag mit Theorie zum ersten Sonnengruß – Surya Namaskar I – bis zum Abend weiter.
Nach 10 Stunden Zuhören, Mitdenken und Yoga-Üben war der Tag um 18 Uhr vorbei und ich dankbar für eine kühle Dusche und Ruhe.

Der Sonntag stand ganz unter dem Thema Anatomie. Beate, Physiotherapeutin und Anatomie-Lehrerin, hat unsere Köpfe schon um 9 Uhr morgens ordentlich rauchen lassen. Von Fachbegriffen wie Rotation, Flexion oder Abduktion ging es zum Aufbau von Fuß, Knöchel und Knie. Jedes Körperteil wurde im Detail besprochen und auf verschiedene Asanas übertragen. Auch hier wieder sehr wichtig: Welche Krankheiten und Verletzungen gibt es und welche Übungen darf mein Schüler trotz Vorbelastung machen? Immer wieder hat Beate die Verantwortung betont, die wir als Yoga-Lehrer haben werden. Wer in unserer Stunde übt, soll gesund und gestärkt nach Hause gehen! Dieser erste von drei Anatomie-Teilen hat sehr viel Spaß gemacht. Schon lange habe ich eine große Neugier wie der menschliche Körper funktioniert und aufgebaut ist und freue mich, das ein Teil meines Wissenshungers im Laufe meiner Ausbildung gestillt wird.

Jetzt heißt es Pauken und Üben – Yoga soll eine große Rolle in unserem Alltag spielen und jeden Tag mindestens 20 Minuten geübt werden. Ich freue mich auf die anstrengende und lehrreiche Zeit mit meinen Mitstreiterinnen, die ich schon nach dem ersten Wochenende ins Herz geschlossen habe.
Auch ihr Motto: KEEP OM LEARNING!

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Ready, set, go!

In weniger als einem Monat beginnt meine Ausbildung zur Vinyasa Yogalehrerin. Wie so oft vor großen Veränderungen, fühlt es sich jetzt noch weit entfernt an und ist kaum vorstellbar. In wenigen Wochen werde ich meine ersten kleinen Flows, vielleicht einen Sonnengruß, für die anderen Yogaschüler ansagen und sie durch die Asanas führen. Jetzt das rechte Bein heben, oder das linke? Da werde ich wohl noch häufig durcheinander kommen. Doch Fehler sind okay. Das weiß ich theoretisch, muss mich aber immer wieder selbst daran erinnern.

Als der Gedanke zu einer Ausbildung aufkam, war ich zunächst vorsichtig. Bin ich überhaupt gut genug? Kann ich andere Menschen mit meiner Freude am Yoga anstecken? Und, vor allem: Ich kann doch gar keinen perfekten Handstand, wie soll ich ihn da unterrichten? Natascha, meine zukünftige Ausbildungsleiterin, hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich werde nicht gleich auf die fortgeschrittene Klasse losgelassen, sondern kann mich langsam herantasten. Im März, nach Abschluss der Ausbildung, werde ich ein ganzes Stück weiter sein – als Yogalehrerin aber auch als Yogi. Ich liebe Yoga. Und wo Liebe ist, ist Leidenschaft und Leidenschaft gibt Power.

Ich glaube, dass mir diese Power auch dabei helfen kann, Yoga ab sofort in zwei verschiedenen Formen zu sehen. Zum einen, die Praxis für mich, das Loslassen, das Bei-mir-sein. Zum anderen Yoga als Lehrerin, bei dem ich mich hinten anstelle und nur daran denke, für die Schüler da zu sein und mich auf ihre Bedürfnisse einzulassen. Ich selbst habe mittlerweile bei vielen Yogalehrern geübt und große Unterschiede in der Art des Unterrichtens bemerkt, die mich als Schülerin beeinflusst haben. Und das ist auch gut so. Ich hoffe, dass ich zusammen mit den anderen Auszubildenden nicht nur meinen Handstand perfektionieren kann, sondern auch meinen ganz eigenen Stil entwickle, Yoga zu unterrichten. Ich sage euch, ich bin bereit und freue mich auf jede der 200 Stunden.

KEEP OM LEARNING!